Philosophen zum Thema Bewusstsein und Ego – die kurze Kurzfassung

Meine Sekundärliteratur von der Sekundärliteratur:

René Descartes setzt sich als Fundament für die weiteren Betrachtungen der Welt (sprich die Erkenntnis) seine eigene Fähigkeit dazu. Cogito ergo sum. Auch wenn der Satz sprachlogisch oft kritisiert wird, ist er wirklich ein schöner Punkt um mit der Philosophie zu beginnen. Außerdem formuliert Descart einen sinnvollen Algorithmus: Skepsis – Analyse – Konstruktion – Rekursion.

Immanuel Kant trennt Erkenntnis und Dasein. Er postuliert das Vorhandensein einer rein ideellen „synthetischen“ Erkenntnis, also die Existenz einer Wahrheit, die von der Erfahrung abgekoppelt ist und nur durch Schlussfolgerung und somit das Denken existiert. Er erklärt „Cogito ergo sum“ zum Zirkelschluss und widerlegt „Gottesbeweise“. Kant stellt die Frage nach der Grenze des Erkennbaren und erklärt somit Dinge jenseits dieser Grenze zu Spekulation.

Georg Wilhelm Hegel systematisiert viele Begrifflichkeiten. Er definiert das Subjekt als einen Betrachtungsgegenstand, als inneres Bewusstsein in der Abgrenzung zur empirischen Außenwelt und in seinem Ideal der „wirklichen Seele“ in Abgrenzung zum Körper, jedoch als Teil der Natur.

Edmund Husserl entwickelt mit der Phänomenologie eine philosophische Methode zur Erkenntnis. Er definiert einen gedachten Sachverhalt als etwas, auf das sich der Geist richtet und somit stets als Subjekt/Objekt-Paar. Dies auch bei rein gedachten Objekten (Noemas)

Martin Heidegger versucht das „Seinede“ zu systematisieren. Er benutzt eine eigene Nomenklatur, unterscheidet beim Subjekt zwischen dem Selbst im Sinne einer Zuhrghörigkeit und dem losgelösten Eigentlichen selbst. Er koppelt seine Seins-Begriffe an subjektive Zustände wie Angst und Sorge, sowie an Methoden wie Reden und Verstehen.

Ludwig Wittgenstein hat den innovativen Ansatz, das Dasein mit der Sprache zu verbinden. Er erkennt, dass alles was gedacht werden kann auch als sprachlicher Ausdruck existiert und somit gesagt werden kann. Die Grenzen der Sprache sind somit die Grenzen des Seienden (bgl. Kant). Alle Philosophie ist Sprachkritik. Wittgenstein versucht nur noch formallogisch zu sprechen und zu schreiben.

Jean-Paul Sartre unterscheidet zwischen einem reflexiven Ich-Begriff (je) und einen unbewussten intentionalen Ich (moi). Er leitet sich her, dass die intentionale Handlung auf empirischer Erfahrung, also der Wahrnehmung, basiert und erklärt die Existenz eines transzendentales Ego-Bewusstsein.

Siegmund Freud dröselte bereits zuvor das Unbewusste auf in das triebhafte, körperliche „Es“ und das sozial geprägte, kontrollierende „Über-Ich“. Dazwischen steht das aktive handelnde Bewusstsein (kurz „Ich“).

Friedemann Schulz von Thun geht noch einen Schritt weiter und erklärt den Geist als ein größeres Team, in dem das Bewusstsein den Teamleiter spielt, dass aus vielen inneren Stimmen und Modellen die Handlungsoptionen abwägt.

Veröffentlicht in Ich und Über-Ich, Original und Fälschung

Vorraussagen über Trumps erste Amtszeit im Mai 2017

Wenn es aussieht wie ein Huhn und schmeckt wie ein Huhn ist es ein Huhn. Ich hatte lange vermutet, dass Donald Trump nur eine Show abzieht und dass er in Wahrheit viel intelligenter ist, als er sich gibt. Nach den Raketen auf den Irak, äh, Nordkorea und nach der Entlassung von FBI-Direktor Comey bin ich mir sicher: Trump fehlt es wirklich an Weitsicht und Planung. Das bedeutet nichts Gutes. Ein paar Vermutungen und Hochrechnungen:

Trump war eher pleite.

Nach mehrere Bankrotten und dem verschwenderischen Lebensstil kein unwahrscheinliches Szenario. Bei Trumps Business dreht sich alles um das Narrativ von Reichtum und Erfolg. Deshalb ist alles vergoldet. Deshalb die lange Krawatte („meine ist größer als deine“). Deshalb das ständige Pochen auf den Wahlsieg und das ständige bullying der „Verlierer-„Demokraten. Deshalb auch die aberwirzige Geheimhaltung, was die Tax Returns angeht. Und inzwischen ist mir klar, dass Trump ein so notorischer Lügner ist, dass man bei den meisten seiner Aussagen vom Gegenteil ausgehen kann. „I am very very rich“ ist das Bild das Trump zeichnen will – ob das so stimmt ist aber mehr als fraglich.

Trump hat eine Menge Geld aus dubiosen Quellen erhalten.

Trumps Geldquellen sind sicherlich andere Superreiche: Russische Oligarchen, Ölscheichs, Mafiosi und Ponzi-Schemer. Trump hat keine moralischen Bedenken, aus diesen Quellen zu schöpfen, diese Leute sind so wie er. Ein Teil dieser reichen Clique findet sich ja im Kabinett wieder.

Trump hat vielen Leuten viel versprochen.

Trump macht seine Deals, indem er Leuten Versprechen macht, die er später nicht unbedingt einhält. Während ihm die kleinen Wähler letzlich wurscht sind (außer die Anzahl der Jubler), werden ihm Senatoren und Geldgeber aber zukünftig immer mehr auf den Füßen stehen. Dass er seine Familie im Weißen Haus installiert, liegt vor allem daran, dass ihm sonst nur die skrupellosesten Karrieristen folgen, die ihre eigene Agenda bearbeiten.

Das Kabinett Trump ist ein Selbstbedienungsladen.

Trump liefert ja nichts außer dem „Win“. Jede einzelne Politikentscheidung folgt nur zum Teil republikanischen Werten. Die Mauer zu Mexiko und das Infrastrukturprogramm ist ein Subventionsprogramm für Bauunternehmen. Für die Rüstungslobby steckt viel drin, für die Turbokapitalisten und Finanzhaie. Jeder wird sich ein Stück vom Kuchen abschneiden, bevor die Trumpsaison herum ist. Unter dem Strich steht eine große Umverteilung von unten nach oben und zu Lasten der Umwelt.

Trumps Eitelkeit ist seine Methode

Jemand der eine Rede beim CIA hält und dafür eigene Claqueure mitbringt, legt immer wert auf den Eindruck und die Fernsehbilder. Trump inszeniert sich. Wer ihm gute Bilder liefern kann, kann (kurzfristig) sein Vertrauen gewinnen. Wer ihn kritisiert, fliegt raus. Seine Egomanie ist gleichzeitig sein Talent.

Trump ist nicht clever aber tollkühn

Eine Sache muss man an Trump ja auch anerkennen: Er versteckt sich nicht. Er geht dorthin, wo sich sonst niemand hintraut. Seine Chuzpe hat ihn reich gemacht, berühmt gemacht, zum Präsidenten gemacht. Er ist das beste Beispiel dafür, dass Mut der Zwillingsbruder ser Selbstüberschätzung ist. Mut ist eine Eigenschaft, die ich sehr schätze, nur leider ist es bei Trump mit einem Egoismus gepaart, der immer dazu führt, dass es einen Verlierer geben muss. Trump versteht nicht, was Win-Win ist. Mein Problem ist nicht, dass ich Trump das Siegen mißgönne, aber hasse es, so viele Menschen verlieren zu sehen.

Wie geht es weiter

Trumps Politik wird gemischte Erfolge haben

Nun ja, die meisten Gesetzesvorhaben werden wohl mit Trumps Versprechungen nicht mithalten. Aber natürlich wird es auch Branchen geben, die profitieren. Trump und die Republikaner werden diese Erfolge so laut herumposaunen, dass viele Amerikaner zuversichtlich sind. Es wird also zumindrst einen Placebo-Effekt auf die Amerikanische Wirtschaft geben. Ich glauben nicht, dass es reicht.

Trump wird die Ermittlungen gegen ihn ausbremsen.

Tatsächlich kann Trump das FBI blockieren. Durch die Entlassung von Comey ist dieser faktisch mundtot gestellt. Trump wird ein treuen Gefolgsmann als Nachfolger einsetzen, z.B. Rudy Giuliani, der die Ermittlungen stoppen wird. So fishy das ist, Trump hat als Präsident die Möglichkeit dazu. Und wenn das FBI kaltgestellt ist, wird es auch für den Kongress schwer, deren öffentliche Ausschüsse nur wenig Einblick in vertrauliche Unterlagen erhalten. Ähnlich des NSAUA wird wenig Belastendes an die Öffentlichkeit dringen. Die Entlassung von Comey war aus Trumps Perspektive ein guter Schachzug.

Die Demokraten werden ein Impeachment starten.

Die Frage ist nur wann und mit welcher Munition. Sicherlich arbeiten Dutzende von Juristen bereits daran. Natürlich will man nicht knapp scheitern, es ist sehr unwahrscheinlich mehrfach die Gelegenheit zu haben, einen amtierenden Präsidenten aus dem Amt zu hebeln.

Die Presse bereitet einen Scoop vor.

Ganz sicher arbeiten die Investigativteams von Washington Post und der New York Times im Geheimen an großen Enthüllungsstories. So laut das Ironiegwitter der Late-Night-Talker auch ist, so wird doch im Moment eigentlich nur das kommentiert, was das Trump-Team schon wieder für einen Müll absondert. Trump warnt vor Leaks, denn wenn sein Geldgeber einmal schön säuberlich aufgelistet sind, dann wird es ihm schwerfallen, mit ein paar Tweets davon abzulenken. Vermutlich wird er von Erdogan lernen und die Presse zu ausländischen Agenten erklären.

Wenn die Luft zu dünn wird, spätestens gegen Ende seiner Amtszeit, wird Trump einen Krieg beginnen.

Mit den Verbündeten im Mittleren Osten wird es ein wenig Wüstenkrieg in Syrien, im Jemen oder Afghanistan geben, schön weit weg von Amerika. Das Kalkül: Im Krieg halten die Amerikaner zusammen und Trump kann auf der Patrioten-Welle in die 2. Amtszeit reiten. Allerdings werden die Kriegstoten Trump doppelt auf die Füße fallen und die Frage ist, ob die Amerikaner ihm bis dahin noch irgendeine Geschichte abkaufen.

Trump bleibt Präsident, aber ungerne

Letzlich hat er ja schon gewonnen, ab jetzt geht es im Prinzip nur bergab. Allerdings muss er die Geschäfte seiner reichen Mitstreiter absichern und natürlich verhindern, dass gegen ihn ermittelt wird. Andererseits könnte ich mir vorstellen, dass er Paul Ryan seine Nachfolge versprochen hat.

Bleibt Trump im Amt, wird seine Bilanz besser als erwartet

Es ist relativ wahrscheinlich, dass Trump trotz aller Skandale und trotz seiner ständigen Unbedachtheiten im Amt bleibt, da der Kongress fest in Republikanischer Hand ist. Und am Ende der ersten Amtszeit wird Trump gar nicht mehr so schlecht aussehen, auch weil die Menschen sich an das Getöse rund um das weiße Haus gewöhnen werden. Die Republikanische Regierung rasiert außerdem den Sozialstaat so schnell und skrupellos, dass die schlimmsten Einschnitte alle bereits im ersten Jahr seiner Amtszeit passieren werden. Das wird dazu führen, dass die entregulierte Wirtschaft in Amerika ungehemmt wachsen kann. Ob dieses Geld am Schluss beim Durchschnittsamerikaner landet, bleibt jedoch mehr als fraglich.

Veröffentlicht in Heute und Morgen

Lösung für Problem beim Kompilieren in Apples X-Code

Wenn man ein Problem hat, sollte man ein Userforum benutzen, dann bekommt man auch gute Ratschläge.
Folgende Rezension (!) fand ich gerade Apple App Shop, XCode 8.3.2  (1 Stern)


Also seit dem letzten Update funktioniert mein Xcode nicht mehr, wie es funktionieren soll. Früher hat alles hervorragend geklappt. Seit dem neuen Update kompiliert Xcode meine Programme völlig falsch.
Beispiel:

printf("\n\tTabelle“);
printf(„\nGeben Sie eine Zahl ein: „);
scanf("%d", &x);

Wenn ich z.B. ein Programm mit diesen Abschnitt kompiliere und dann starte, dann wird mir nur die Zeile „Tabelle“ angezeigt. Erst wenn ich eine Zahl eingebe, wird mir unter diese Zahl dann die Zeile „Geben Sie eine Zahl ein:“ angezeigt. Also seit dem Update kann ich Xcode überhaupt nicht gebrauchen. Bin jetzt umgestiegen auf den Terminal und programmieren nun über den vim Editor. Jetzt warte ich noch eins, zwei Updates ab und wenn es dann immer noch nicht funktioniert, werde ich Xcode deinstallieren. Schade!

Lieber EXcode_user, wenn Du das hier liest: Du hast deutsche typographische Anführungszeichen „“ benutzt. Richtig sind die geraden US-Strichlein oben (“). Check mal vor dem programmieren Deine Tastatureinstellungen.

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Gedöns zum Bundestags-Wahlkampf 2017

Meine Filterblase liefert mir ein trauriges Bild: Schulz wird ohne Gegenwehr zum Selbstbediener und Programmlosen abgestempelt, Lindner zum Heiland hochgejazzt. Die Union flötet „Burka“ auf der rechten Hundepfeife und deutet Steuergeschenke und natürlich „Sicherheit“ an. Die AfD haut sich in bester Piratenmanier selbst in die Pfanne. Von Links kommt nichts neues. Und gibt’s eigentlich die Grünen noch? Ich frag mich echt wie die Wahlkampfstrategien der Parteien aussehen, das ist ja erbärmlich.

 

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Türken raus, weil nicht im Schützenverein

Mein neuer Lieblingsbeitrag zum Thema Integration – „derbergischelöwe“ kommentiert zu den veröffentlichten Notizen von Helmut Kohl:

Kohl hatte Recht! … welcher Türke interessie(rt) sich überhaupt für Deutschland, war mal im Harz wandern oder ist Mitglied im Schützenverein?

Wie so oft merke ich, dass ich selbst nicht integriert bin. Zählt auch Fränkische Schweiz und Schießbude?

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Werbung nervt. Aber wer sie blockt, muss ein Verbrecher sein.

Die Diskussion um Werbeblocker gewinnt an Schärfe: Adblock Plus, ein Filtersystem für Firefox, steht unter Beschuss.

Sprachlich gesehen wird bei Spiegel Online die Polemikkeule ausgepackt. So wird die Frage gestellt (!), ob nicht „dubiose Werbefirmen“ hinter Adblock Plus stehen und Blogger zitiert, die ganz offen von „Wegelagerei“ sprechen. Selbst recherchiert wird da nichts, aber trotzdem kräftig draufgehauen.

Faktenarme und tendenziöse Berichterstattung, noch dazu bei einem Massenportal mit kräftigem Interessenskonflikt: na bravo. Bei mir stellen sich in diesem Fall stets die Nackenhaare auf und ich bin wenig gewillt dem Gemosere beizupflichten. Vor allem wenn man den Unterschied zwischen SPON mit und ohne AdBlocker kennt.

Es lohnt sich allerdings weiterzulesen, und zwar das Blog, aus welchem SPON zitiert. Sascha Pallenberg hat sich nämlich AdBlock Plus sehr genau angesehen. Auch Pallenberg haut mit der großen Keule drauf, seine Enthüllungen insbesondere über die Personen hinter AdblockPlus laufen über twitter unter dem hashtag #adblockgate. Er hat allerdings auch zahlreiche Argumente gesammelt, dass hinter AdBlock Plus nach Gewinn strebende Investoren stehen und das System im höchsten Maße für Missbrauch anfällig sei: AdBlock Plus nutzt lt. Pallenberg äußerst fragwürdige Praktiken (z.B. das Verändern von Amazon-Links auf das eigene Konto, Whitelist-gegen-Geld). (Die Entwickler sehe das anders und haben etwas weniger aggressive Gegendarstellungen veröffentlicht: hier und hier)

Unter dem Artikel stehen die relevanten Argumente:

  • Werbung nervt und stört zum Teil massiv den Lesefluss, daher gibt es viele die Adblocker nutzen wollen und werden
  • Contentschaffende möchten die Werbeeinnahmen und wettern massiv gegen Adblocker, #adblockgate ist da ein starkes zugpferd

Richtet man den Blick fort von „Adblock plus“ hat man hier die übliche Diskussion der Nutzer (die im Internet gerne gratis UND werbefrei konsumieren möchten) und den Medienschaffenden (für die Werbung oft die einzige Möglichkeit ist, Gewinn zu erzielen). Der Krieg um Content und Urheberrechte hat jetzt einen Schauplatz mehr. Adblock Plus versucht (lt. Pallenberg) wie eine Schutzgeldmafia einseitig Geld aus den Contentschaffenden zu ziehen und weiß die Masse der Gernegratisuser hinter sich. Durch die Aufdeckung dieser Praktiken wird AdBlock Plus in den selben Topf gesteckt wie Filesharer a la Kim Dotcom.

Ist generell ein Werbefilter auch eine Art Contentraub?

Die Diskussion um Onlinewerbung lässt eine Aspekt meiner Meinung nach viel zu unbeachtet: Während Medien und Kulturschaffende vordergründig Ihren Aufwand sehen, um Content zu erzeugen, ist es in Wirklichkeit ein anders Gut, welches im Netz knapper wird: die Aufmerksamkeit der Konsumenten.

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Unbenutzbar

Nachhaltigkeit hat einen Feind namens Obsoleszenz. Dieser Begriff steht dafür, dass Dinge unbenutzbar werden, durch Verschleiß oder durch mangelnde Kompatibilität.

Mir ist aufgefallen, dass es (auch in meinem Bekanntenkreis) zahlreiche Anhänger der Theorie der „geplanten Obsoleszenz“ gibt. Unter diesem Kampfbegriff werden Produkthersteller verdächtigt, mit Absicht murksig und „mit Schwachstellen“ zu produzieren. Geplante Obsoleszenz macht für die Hersteller von Produkten aus zwei Gründen Sinn: erstens spart man Produktionskosten und zum zweiten erzwingt man einen schnelleren Wiederanschaffungszyklus.

Dazu angeführte Beispiele lauten:
a) Glühbirnen (der klassischen Glühfadenart) könnten ewig brennen. Tasächlich gibt es eine solche, die Seit dem Jahr 1901 brennt.
b) Nylonstrümpfe könnten „Laufmaschen-frei“ hergestellt werden
c) Tintenstrahlerdrucker hätte mutmaßlich einen Chip, der nach einer vorgegebenen Anzahl Drucke einen defekt vortäuscht
d) Die Autoindustrie habe übertrieben schnelle Innovationszyklen
e) Die Computerindustrie habe übertrieben schnelle Innovationszyklen inkl. der unnötigen Veränderung von Details
f) die ganze Modeindustrie sei ein Auswuchs der geplanten Obsoleszenz

Nun ja, atürlich geht es hier um das ökonomische Bestreben, Dinge möglichst marktgerecht zu produzieren. Eines der wichtigsten Marktfaktoren ist natürlich der Preis. Die Geschichte mit den Glühbirnen mag uns einen Hinweis liefern, was hier vor sich geht. Klassische Glühfadenbirnen waren nämlich ein sehr sehr billiges Produkt mit Herstellungskosten im Centbereich. Je heller dabei die lampe brennt, desto schneller brennt sie durch. Die 100-jährige Birne gibt es in der Tat, diese glimmt aber bei sehr geringer Lichtstärke vor sich hin. Es wäre sehr sehr teuer, eine sehr helle, sehr haltbare Birne zu bauen. Bildprojektoren haben solche Birnen.

Der Grund für die schlechte Haltbarkeit der Dinge liegt also vor allem im niedrigen Herstellungspreis. Und dieser ist dadurch bedingt, dass das System der billige Massenfertigung sehr erfolgreich ist und dadurch die Qualitätsware in vieken Bereichen verdrängt hat. Ein Großteil der Menschen hat nämlich oft nicht dieMöglichkeit, sich für das bessere und haltbarere Produkt zu entscheiden. Leider! Wer billig kauft, kauft doppelt. Das ist ein allzu wahrer Spruch.

Ein anderer Marktmechanismus macht es den Technikkonzernen schwer, nachhaltige Produkte zu erzeugen: das Tempo und die zunehmende komplexität der Innovation. Das Silicon Vally tut sich schwer genug, mit den neuesten Entwicklungen der Technik Schritt zu halten. Was schert ein da das Betriebssystem von gestern. Der Marktanteil eines Technikriesen wird durch seine Innovationskraft bestimmt, nicht davon, dass die Produkte langlebig sind.

Im Gegensatz zum Schuh oder zur Glühbirne ist es im Technikbereich allerdings wirklich traurig. Nicht ein Konzern entwickelt ein Computersystem, das langfristig Rückwärtskompatibel ist. Der ständige Austausch der Geräte ist eingeplant.

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Internet nur in Deutschland

Im Forum einen deutschen Nachrichtenmagazins schrieb „Martin“:

„Also ich brauche weder englisches noch amerikanisches – weder russisches und schon gar nicht chinesisches internet. Erstens fällt es mir schwer dort etwas zu lesen und wenn ich an die Viren denke, welche aus diesen Ländern meine PC langsam machen, bekomme ich sowieso Heimweh… also Kabel kappen und Intranet für den deutschsprachigen Raum herstellen!“

Ein Meinung, die ich respektiere (aber gewiss nicht teile). Viele Menschen in Deutschland sind durchaus im english web unterwegs, tatsächlich aber so gut wie nie im russischen, chinesischen oder auch nur französischen Internet. Tatsächlich gibt es da eine fette Sprachbarriere. Interessanterweise war ich selbst bisher nur in der Lage, die Sprachgrenze in den englischsprachigen Raum zu überwinden (und bin somit kaum weiter als Martin mit seinem deutschen Horizont).

Statt der Abschottung würde ich mir im Gegenteil eine Öffnung des Webs wünschen. Wer weiß, wieviel  Erkenntnisse ein Einblick ins arabische, chinesische oder indische Web zu bieten hätte.

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Vetternwirtschaft ist weiterhin erlaubt

CSU-Landtagsfraktionschef Georg Schmid tat sich schwer eine Erklärung dafür zu finden, dass er seiner Frau monatlich 5500 EUR Staatsgelder im Monat für „Schreibarbeiten“ überwiesen hat. Schmid hat sich und seiner Partei die Demütigung erspart, sich von der Presse grillen zu lassen und seinen Hut genommen.

Im Kielwasser des Schmid-Skandals und nicht zuletzt, weil in Bayern der Wahlkampf hochkocht, werden natürlich nun alle Regierungs- und Landtagsmitglieder auf vetternwirtschaftliche Anstellungsverhältnisse überprüft und prompt kommen weitere Fälle ans Tageslicht. So hat z.B. Justizministerin Merk legal, aber nun auch umstritten, ihre Schwester beschäftigt.

Die Untersuchungen offenbaren ein spannendes Verhältnis von Rechtslage und Moral, das einen näheren Blick wert ist: Verwandte ersten Grades (Eltern, Kinder, Ehepartner) dürfen seit dem Jahr 2000 nicht mehr angestellt werden. Verwandte zweiten Grades (Geschwister, Onkel, Neffen, Schwager und besagte Vettern) dürfen jedoch immer noch völlig legal angestellt werden.

Das ist natürlich völlig absurd. Entweder will man der Familienwirtschaft vollständig Einhalt gebieten, damit es zu keinen Schmid-Exzessen kommt. Dann muss man auch Verwandte zweiten Grades von der Beschäftigung auf Staatskosten ausschließen und auch Altverträge per Gesetz für unwirksam erklären (Frau Schmid hatte noch einen alten Arbeitsvertrag. So einen hätte ich auch gerne). Oder man sagt, dass Verwandte als Vertrauenspersonen durchaus dafür geeignet sind, Abgeordnete und Regierungsmitglieder zu unterstützen. Dann müsste man das auch für Verwandte ersten Grades legalisieren aber klare tarifliche Regelungen vorschreiben.

 

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Die BRIGITTE ist nicht die WELT

Der Unmut einiger Medien ist groß. Die Farce um die Presseplätze beim NSU-Prozess geht in die zweite Runde. Nun wurden die knappen Presseplätze mit dem Losverfahren vergeben. And the Winner is: nicht die FAZ, nicht die TAZ, nicht die ZEIT, nicht die SZ und nicht die WELT. Für die Medien und Journalisten, die noch in der ersten First-come-first-served Runde dabei waren, ist das Verlosungspech natürlich doppelt ärgerlich. So manche Big Player im Pressebetrieb ärgern sich nun schwarz, hatten Sie sich doch lautstark empört, dass keine türkischen Medien zugelassen waren (diese hatten schlicht die Akkreditierungsfrist verschlafen).

Auch kleine Medien und freie Journalisten erhielten nun die gleichen Rechte bei der Verlosung. Nachrichtenagenturen und ausländischen Medien hatten einen separaten Lospool. Auf diese Weise sind nun 5 Agenturen, 10 Medien aus dem Ausland (unter anderem mehrere Türkische Medien und die NZZ) und 35 Medien aus dem Inland vertreten. Darunter ARD und ZDF, Focus, BILD, SPIEGEL und Deutschlandfunk. Die SZ hat zumindest ihr Wochenmagazin SZ Magazin vor Ort, da sollte auch die eine oder andere Info zur Tageszeitung rüberwachsen.

Sogar der SPIEGEL (der ist dabei) solidarisiert sich jetzt aber mit den larmoyanten Kollegen der ZEIT, die viel Häme in den Online-Kommentaren zu lesen bekommt. Nicht besonders kollegial und überaus polemisch finde ich jedoch die Aussage, dass die z.B. FAZ als international gelesenes Blatt ein größeres Anrecht auf eine Korrespondentenplatz habe als die BRIGITTE oder Lokalblätter wie z.B. die Pforzheimer Zeitung oder Allgäuer Zeitung ohne dolles Onlineportal. Ganz im Gegenteil kann man es meiner Meinung nach nur begrüßen, wenn „kleine Zeitungen“ auch einmal selbst berichten als nur dpa-Meldungen abzuschreiben. Und ich gehe davon aus, dass die 50 Medien und Agenturen uns alle ausführlich genug informieren werden, auch online.

 

Veröffentlicht in Doppelter Standard